"Vandersanden trägt zu Lösungen für die größten Herausforderungen der Bauindustrie bei"
Die Bauindustrie macht schwere Zeiten durch. Johan Deburchgrave glaubt jedoch, dass die Talsohle erreicht und eine Erholung allmählich in Sicht ist. Als neuer CEO von Vandersanden sieht er viele Wachstumschancen für sein Unternehmen. Kurzfristig wie langfristig. "Vandersanden spielt schon heute eine führende Rolle bei den wichtigsten Trends in der Bauindustrie der Zukunft."
Seit Januar 2024 ist Johan Deburchgrave CEO bei Europas größtem Ziegelhersteller in Familienbesitz. Dank seiner langjährigen Erfahrung in der Bauindustrie und seinem neuen Job bei Vandersanden ist er in einer idealen Position, um die Unternehmensstrategie auf die aktuellen Entwicklungen der Bauindustrie abzustimmen.
Ihren Job als Vandersanden-CEO treten Sie in turbulenten Zeiten für die Bauindustrie an.
Johan Deburchgrave: Das stimmt. Der Krieg in der Ukraine, die Unruhen im Nahen Osten, die anhaltende Inflation und die schwankenden Energiepreise sorgen für große Unsicherheit. Auch das Bauen ist aufgrund strengerer Normen und teurerer Rohstoffe und Materialien dramatisch teurer geworden. Daher halten sich die Verbraucher noch zurück; neue Bauprojekte werden verschoben. Aber ich bin sicher, dass es bald wieder losgeht. Renovierungsprojekte sind nicht zum Stillstand gekommen und in den kommenden Jahren müssen überall in Europa massiv neue Wohnungen gebaut werden , um die enorme Nachfrage zu befriedigen . Ich sehe, dass Vandersanden jetzt schon bereit ist, diese Wachstumschancen zu nutzen.
Wie wollen Sie das Potenzial von Vandersanden voll ausschöpfen?
Vandersanden hat sich zum größten Ziegelhersteller in Familienbesitz in Europa entwickelt. In den letzten fünf Jahren war dieses Wachstum signifikant; die Übernahme von CRH im Jahr 2017 hat die Größe des Unternehmens beinahe verdoppelt. Jetzt müssen wir sehr sorgfältig darüber nachdenken, wie wir unsere ehrgeizigen Pläne verwirklichen können. Worauf wollen wir uns in den nächsten fünf Jahren konzentrieren? Wo setzen wir unser Kapital ein, um sämtliche Potenzialschätze zu heben? Jetzt müssen wir smarte Entscheidungen treffen, die auch sehr kurzfristige Auswirkungen haben können.
Wo sehen Sie diese Wachstumschancen in der nahen und fernen Zukunft?
Ich sehe vier Säulen, auf denen wir unser Wachstum aufbauen werden. Wir starten bei uns selbst und unserer eigenen Unternehmenskultur. Ich glaube, dass wir diese nach unserem rasanten Geschäftswachstum der letzten Jahre weiter stärken und professionalisieren können. Digitalisierung sehe ich hier als einen wichtigen Treiber, aber keinesfalls als Selbstzweck. Wir wollen Digitalisierung ausschließlich in Abhängigkeit unserer Ziele betreiben.
Die zweite Säule ist dann zwangläufig Innovation?
Genau! Hier werden wir gleichzeitig einen Sprint und einen Marathon laufen. Vandersanden hat in den letzten Jahren sehr stark auf Innovation gesetzt. Das finde ich bewundernswert, denn die Baubranche hat oft eine etwas traditionsbedachte, vorsichtige Haltung, was Veränderungen angeht. In dieser Hinsicht sind Pirrouet (unsere CO2-negativen Verblendsteine) und Robobrick (das automatisierte Kleben von Riemchen auf Prefab-Teile) bahnbrechende Neuerungen, die das Potenzial haben, unsere Branche nachhaltig zu verändern. Während Pirrouet® den CO2-Fußabdruck der ganzen Bauindustrie drastisch reduziert, ist Robobrick® wiederum eine Lösung, die enorme Effizienzgewinne bringen wird. Zugegeben, die Kunst besteht darin, die richtige Balance zwischen kurzfristig und langfristig greifenden Ideen zu finden.
Außerdem untersuchen wir, wie unsere Pflasterklinker zu einem besseren Wassermanagement im städtischen Umfeld beitragen können. Vandersanden bietet Lösungen sowohl bietet Lösungen für die eine nachhaltige Klimaanpassung, unsere Greenflow®- und Drainflow®-Klinker sind der Beweis dafür. Zudem können sie, neben der städtischen Anwendung, auch für Gartenwege und Terrassen genutzt werden.
In dieser Hinsicht sind wir ein bisschen ein Opfer unseres Innovationsdrangs: Wir denken meilenweit voraus, während wir in Sachen Kundenerlebnis, Energieeffizienz oder Dematerialisierung auch kurzfristig weiter Neues erfinden können.
Ist Nachhaltigkeit für Vandersanden immer noch eine Priorität?
Absolut, der Übergang zur CO2-Neutralität ist unser dritter strategischer Pfeiler und wird in den kommenden Jahrzehnten absolute Priorität haben. Wir sehen das allerdings nicht als Bedrohung. Wenn wir unser Versprechen "Together to Zero" mit einer klaren Roadmap weiter ausrollen, stärken wir unsere Position als Klimavorreiter und werden in der Lage sein, rasch auf neue Entwicklungen zu reagieren. Wir müssen geschickt die richtige Balance finden, zwischen dem, was wir langfristig vorantreiben, und dem, was wir schnell umsetzen wollen.
Unsere vierte Säule schließlich ist die Nutzung von Wachstumschancen in unseren bestehenden Märkten und innerhalb unserer bestehenden Produktpalette. Wir sind jetzt in Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und einer großen Anzahl von Exportländern aktiv. Dort können wir mit unseren Pflaster- und Vormauerziegel-Lösungen noch viele Marktanteile gewinnen.
Sie glauben, dass die Bauindustrie im kommenden Jahr wieder besser dastehen wird. Dennoch gibt es Herausforderungen, die die Branche auch im nächsten Jahr nicht lösen kann. Wie kann Vandersanden da helfen?
Das Bauen wird teurer, extremere Witterungsverhältnisse machen das Bauen unberechenbarer und der Fachkräftemangel verschärft sich weiter. Das sind Herausforderungen, für die wir allerdings heute schon Lösungen parat haben So arbeiten wir gemeinsam mit anderen führenden Unternehmen an einer fortschrittlichen Prefab-Technologie für modulares Bauen, die das Bauen unabhängiger von Wetter und Fachkräften macht. Die Fertigteiltechnologie ermöglicht es, effizienter und damit kostengünstiger zu bauen. Damit bieten wir eine Lösung, um dem stagnierenden Neubau etwas entgegen zu setzen.
Außerdem investieren wir in Lösungen für die Kreislaufwirtschaft, wie beispielsweise Trockenstapelsysteme, also Mauern ohne Mörtel. Denn Bauabfälle sind eines der größten Probleme unserer Branche. Das ist aber absurd, da ein Haus im Durchschnitt 80 bis 100 Jahre hält, ein Verblendziegel aber 135 Jahre und länger. Man kann ein Haus also mindestens zweimal mit denselben Ziegelsteinen verkleiden. Und wir entwickeln Lösungen, die das auch tatsächlich möglich machen.
Den Nachhaltigkeitsgedanken tragen wir unter anderem mit unseren Greenflow®- und Drainflow®-Pflasterklinkern weiter. Drainflow® ist ein versickerungsfähiger Pflasterklinker, der das überschüssige Wasser bei extremen Regenfällen versickern lässt. Greenflow® bietet Platz für mehr Grün. Dies sorgt nicht nur für ein attraktives Aussehen und hilft bei der Versickerung von Regenwasser, sondern dient auch der Abkühlung des gepflasterten Fläche bei Hitzeperioden, wie wir sie heutzutage zunehmend erleben. Das Klima ändert sich, und wir müssen Schritt halten.