Vielfältige Wohnformen, gemeinsame Ziegel-Identität

Mit Klinkern von Vandersanden realisiert, wurde das Neubauprojekt Moorbekpark mit einem Award im bundesweit ausgelobten Wettbewerb „Wohnbauten des Jahres“ prämiert.

Moorbekpark: Mit Verblendern von Vandersanden aufs Siegertreppchen

Neue Baukörper unterschiedlicher Typologie in eine historisch gewachsene Umgebung einzufügen, stellt für alle Beteiligten immer wieder eine Herausforderung dar. Für das Wohnungsprojekt Moorbekpark in Norderstedt bei Hamburg stand von Anfang an immerhin fest, dass als Fassadenmaterial nichts anderes als Ziegel infrage kommen würde. Am Ende wurde der mit Klinkern von Vandersanden realisierte Entwurf des Hamburger Planungsbüros prasch buken partner architekten bda dann sogar mit einem Award im bundesweit ausgelobten Wettbewerb „Wohnbauten des Jahres“ prämiert.


Bis es soweit war, musste allerdings erst noch eine kritische Hürde überwunden werden. Um eine Harmonisierung mit der vorhandenen Bebauung zu erreichen, legte die für das Projekt erlassene örtliche Bauvorschrift fest, dass die Neigung der mit Tonpfannen bedeckten Neubaudächer neun Prozent nicht überschreiten dürfe. Gleichzeitig wurde für Dächer und Fassade eine Farbgebung in rot-braunen Tönen festgeschrieben. Mit den Vandersanden-Klinkern „Halle“ und Greifswald im Format NF 240x115x71mm wurde das Ziel schließlich erreicht. Der in Norderstedt ortsüblichen Tradition entsprechend, erstrahlen die Fassaden im Moorbekpark nun in einem nuancierten Farbton aus Rot, Braun, Violett und Anthrazit.

Die Wohngebiete in Norderstedt sind traditionell geprägt durch eine kleinteilige Bebauung aus freistehenden Einzel- und Doppelhäusern mit maximal zwei Geschossen, der dörfliche Charakter der Siedlungen zählt für große Teile der Bevölkerung zu den Markenzeichen der Stadt. Wo immer auf noch vorhandenen Freiflächen Neubauten errichtet werden sollen, setzt das örtliche Baurecht einer Nachverdichtung enge Grenzen und stellt insbesondere die Fassadengestaltung immer wieder in den Mittelpunkt der Entwurfsplanung. Gestalterische Freiheit hin oder her, ohne Ziegeloptik geht im Norderstedter Wohnungsneubau praktisch gar nichts.

Gestalterische Freiheit hin oder her, ohne Ziegeloptik geht im Norderstedter Wohnungsneubau praktisch gar nichts.

Als unweit des kleinen Norderstedter Flusses Moorbek auf einer gut drei Hektar großen öffentlichen Wiesenfläche die seit Jahrzehnten vorgesehene Wohnbebauung endlich verwirklicht werden sollte, kamen in der Nachbarschaft trotz allem Bedenken auf. Die Sorge galt vor allem einer ausnahmsweise großzügig ausgelegten Gebäudehöhe, um die Zahl der Wohneinheiten soweit wie irgend möglich zu steigern. Um die Bedenken zu zerstreuen, schlug die Stadtverwaltung einen ungewöhnlichen Weg ein: Noch bevor der Investorenwettbewerb für das Grundstück gestartet wurde, konnten Bürgerinnen und Bürger ihre Vorstellungen zur Gestaltung des Projektes und der dafür geltenden Rahmenbedingen zu Protokoll geben.

Materialauswahl mit Einschränkungen

Im städtebaulichen Wettbewerb fiel die Entscheidung schließlich für den Entwurf des Planungsbüros prasch buken partner architekten bda (PBP) in Verbindung mit dem ebenfalls in Hamburg ansässigen Bauherren Richard Ditting GmbH & Co. KG. Als Basis des Konzeptes „Moorbekpark“ entwickelte PBP die Idee von drei miteinander verbundenen Wohnhöfen, die „windmühlenartig“ insgesamt 19 Gebäude unterschiedlicher Typologie miteinander verbinden. Verteilt auf Reihenhäuser, Doppelhäuser, Eigentumsobjekte und freistehende Punkthäuser sollten insgesamt 124 Wohneinheiten entstehen, die maximale Höhe der Baukörper war dabei auf drei Geschosse begrenzt.

Materialauswahl mit Einschränkungen

„Die Vorgabe der Dachneigung schränkte unsere Möglichkeiten bei der Fassadengestaltung unerwartet ein“, berichtet PBP-Geschäftsführer und Dipl.-Ing. Architekt Frank Buken, der das Projekt während der Leistungsphasen 1 bis 4 betreute. „Auf dem gesamten Markt für Dachpfannen war lediglich ein einziges Produkt verfügbar, mit dem die baurechtlich geforderte Dachneigung realisiert werden konnte und das von der Farbe her zu den Vorgaben passte.“ Damit nicht genug, sollten nach dem ursprünglichen PBP-Entwurf bei der Gestaltung der Fassaden neben einem obligatorischen Anteil von 80 Prozent Klinker als weitere Oberflächenmaterialien auch Metall und Putz zum Einsatz kommen. Die abweichende und zulässige Materialität war auf die Bereiche der Fenster begrenzt, die bereits als Fertigbauteile hergestellt und angeliefert wurden.

Zusätzliche Klinkerfarbe statt weißer Putz

Zusätzliche Klinkerfarbe statt weißer Putz

In der praktischen Umsetzung erwies sich Putz als zusätzliches Fassadenmaterial dann allerdings als unpraktisch, erklärt Frank Buken: „Obwohl wir zunächst von unserer Materialauswahl überzeugt waren, kamen nach und nach dann doch Zweifel auf, ob die optische Qualität der Putzflächen auch langfristig gewährleistet werden kann.“ Während der Bemusterung der Klinker entstand dann im Dialog mit Vandersanden-Fachberater Ed Pelzers die Idee, statt Putz zur Betonung der Fensterelemente einen farblich leicht abgesetzten, zusätzlichen Ziegel zu verwenden.

„Zum Glück bietet unser Portfolio eine so große Farbauswahl, dass wir einen zweiten Klinker anbieten konnten, der sowohl mit den Dachpfannen als auch mit dem Fassadenklinker “Halle” perfekt harmoniert“, so Pelzers. Wo im Bereich der Fenster zunächst Putzflächen entstehen sollten, setzen jetzt stranggepresste „Greifswald“-Klinker einen interessanten farblichen Akzent. Die Ziegel werden aus dem hochwertigen Ton der Oberlausitz gebrannt, der sich durch einen hohen Schieferanteil auszeichnet und ein prägnantes Farbspiel aus Rot, Schwarz, Violett und Anthrazit bietet.

Die Idee, bei vergleichbaren Fassadenkonstruktionen eine zweite Ziegelfarbe statt Putz zu verwenden, hatte Architekt Frank Buken früher gar nicht erst erwogen. „Wenn die fertigen Fensterelemente wie in vielen Fällen üblich mit Wärmedämm-Verbundsystemen kombiniert werden sollen, gestaltet sich die Aufhängung recht aufwändig und schließt den Einsatz von Verblendern statt Putz aus technischen Gründen praktisch aus“, so Buken. „Im Moorbekpark hatten wir bei einem zweischaligen Mauerwerk allerdings die Möglichkeit, die ursprünglich als Putzflächen vorgesehenen Bereiche zusammen mit der restlichen Fassade schon komplett mit Klinkern auszustatten. Danach konnten die Fensterteile ganz einfach aufgelegt und mit dem Mauerwerk verbunden werden.“ Das Ergebnis nennt Buken „sogar besser als unsere ursprüngliche Planung“ und kündigt an, ähnliche Vorhaben von PBP künftig von vorneherein entsprechend zu konzipieren.

Obschon die im „Buckhörner Moor“ genannten Gebiet errichteten Bauten bestmöglich der ortsüblichen Architektur angepasst wurden, unterscheidet sich der Moorbekpark vom Bestand allerdings durch ein Höchstmaß an Modernität.

Nachhaltig orientierter Wohnungsbau

Nach dem Baubeginn im Jahr 2016 und der abschnittsweisen Realisierung der drei Quartiere sind die Wohnungen im Norderstedter Moorbekpark inzwischen vollständig verkauft oder vermietet. Großzügig angelegte Grünflächen stellen einen gelungenen Übergang zur naturbelassenen Umgebung im Bereich des benachbarten Flusses dar, die Sorge einer die vorhandene Bebauung beeinträchtigenden Neubausiedlung konnte weitgehend zerstreut werden. Obschon die im „Buckhörner Moor“ genannten Gebiet errichteten Bauten bestmöglich der ortsüblichen Architektur angepasst wurden, unterscheidet sich der Moorbekpark vom Bestand allerdings durch ein Höchstmaß an Modernität. Nicht nur, dass alle Mietwohnungen sowie geförderte Wohnungen im KFW-55-Standard errichtet und sämtliche Eigentumseinheiten als „Effizienzhaus Plus“ ausgeführt wurden; darüber hinaus wird der gesamte Wärmebedarf für Heizung und Wasser über solar- und geothermische Anlagen in Verbindung mit Wärmepumpen gedeckt, und die Pultdächer bieten viel Platz für die nachträgliche Installation von Photovoltaikanlagen.


Nicht zuletzt wurde der Moorbekpark zwar nicht als absolut autofreies Wohngebiet konzipiert – im Straßenbild der Umgebung macht sich das zusätzliche Aufkommen an Fahrzeugen aber dennoch kaum bemerkbar. Die PKW der neu zugezogenen Bewohnerinnen und Bewohner stehen nicht am Straßenrand, sondern vielmehr in Tiefgaragen unter den Wohnhöfen, die nach dem Stand der Technik mit einer kompletten Infrastruktur zur Aufladung von E-Bikes und E-Autos ausgestattet sind.

Auszeichnung für ein gelungenes Ensemble

Zu guter Letzt freuen sich nicht nur die unmittelbaren Nutzer über die Annehmlichkeiten im Moorbekpark, darüber hinaus hat das Projekt dem Architekturbüro prasch buken partner architekten bda und Bauherr Ditting auch noch einen Preis eingebracht. In der Kategorie „Nachverdichtung“ wurde das Quartier mit dem Award „Wohnbauten des Jahres 2022“ der Bundesstiftung Baukultur ausgezeichnet. Auszug aus der Begründung: „Sich wiederholende Fensterproportionen, einheitliche Dachformen und die gemeinsame Materialität des rottonigen Klinkers, der die Gestalt der umgebenden Bebauung Norderstedts aufgreift, eint die Gebäude zusätzlich zu einem Ensemble.“

Projektdaten

  • Projekt: Wohnungsprojekt Moorbekpark in Norderstedt bei Hamburg.
  • Architekt: prasch buken partner architekten bda
  • Bauherr: Richard Ditting GmbH & Co. KG
  • Verwendete Klinker: Halle, Greifswald

Haben Sie noch Fragen?

Vandersanden

Unter den Eichen 13
DE-31226 Peine

+49 (0) 5171 8016520
[email protected]

Alle Standorte anzeigen

Ein Ausstellungsraum finden in der Nähe von