Vandersanden

Parken im "Kasteeltuin" Zevenbergen: nostalgisch und Wasserdurchlässig.

Der „Kasteeltuin“ (Schlossgarten) in Zevenbergen ist ein angenehmer Ort mitten im Zentrum. Der Schlossgarten ist übrigens viel mehr als ein Parkplatz und er wird Zevenbergen erheblich verändern. Durch die Neugestaltung dieses nostalgischen Ortes hat die Gemeinde einen innovativen Parkplatz mit wasserfestem Pflasterklinker geschaffen. Zusammen mit den vielen Grünanlagen und den verschiedenen Bezügen zur Geschichte ist der Schlossgarten ein vertrauter Ort geblieben.

Im Zentrum von Zevenbergen in West-Brabant vollzieht sich derzeit eine wahre Verwandlung. Der Hafen, bisher noch eine normale Straße mit Parkplätzen im Zentrum, wird wieder zu einem Hafen. Nach jahrzehntelanger Abwesenheit kehrt das Wasser zurück. Sportboote mit einer Höhe bis 1,65 m können demnächst mitten im Zentrum anlegen. Die Grachtenhäuser an der derzeit noch breiten Straße lassen ahnen, wie es früher einmal aussah. In den siebziger Jahren wurde der Hafen zugeschüttet.

Dass das Wasser demnächst ins Zentrum zurückkehrt, ist sehr schön, dies geht jedoch auf Kosten von 200 Parkplätzen im Zentrum. Auch der an den Hafen grenzende Markt wird von Autos und von den Stufen, die sich derzeit noch dort befinden, befreit. Wie der Hafen erhält der Platz seine ursprüngliche Funktion zurück. Die Stände, die jetzt noch rund um den Hafen stehen, sollen auf den Markt umziehen.  „Derzeit sind wir noch mit der Untersuchung auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt, da Zevenbergen zweimal bombardiert wurde. Die eigentlichen Baggerarbeiten befinden sich noch in der Ausschreibungsphase. Aber bereits jetzt spüren wir das Parkplatzproblem“, erläutert Werner Voermans von der Gemeinde Moerdijk. Es ist daher gut, dass der neue „Kasteeltuin“, direkt am historischen Zentrum gelegen, geöffnet ist. Das erste Teilprojekt des Zentrumsplans für Zevenbergen wird damit abgeschlossen.

„Kasteeltuin“

Der Name „Kasteeltuin“ (Schlossgarten) lässt es bereits ahnen: hier betritt man historischen Boden (siehe Rahmen). In früheren Zeiten lag hier das Gut der Herren von Zevenbergen, aber diese Zeiten sind längst vergangen. Bis vor einigen Jahren befand sich hier eine Grundschule, teilweise lag das Gelände brach. Das Viertel führte mit anderen Worten ein stiefkindliches Dasein, obwohl es unmittelbar an das historische Herz von Zevenbergen grenzt. Das hat sich inzwischen deutlich geändert. „Es sollte nicht nur ein Parkplatz werden, sondern viel mehr noch ein Wohnviertel“, erläutert Voermans. Unmittelbar am Gelände befindet sich nämlich ein Seniorenwohnheim. Die älteren Menschen haben von dort Aussicht über das Viertel und gehen ein paar Schritte – sogar jetzt, da das Gelände noch nicht völlig fertiggestellt ist und hier und da noch Zäune stehen. Um das Ganze zu finanzieren, veräußerte die Gemeinde Moerdijk fünf Parzellen, die direkt an das Gebiet angrenzen. Hier entstehen Wohnungen.

Um das Wohnviertel möglichst zu optimieren, entschied man sich für viel Grün. Unter anderem kamen Platanen zurück, für die im Hafen kein Platz mehr ist, sodass die Anpflanzung nicht nur aus jungen Bäumen besteht. „Das Gelände erhält auf diese Weise sofort eine Ausstrahlung“, meint Voermans. Um die Geschichte des „Kasteeltuin“ hervorzuheben, wurden viele historische Verweise angebracht. Ein unangefochtener Blickfang ist die stählerne Nachbildung des ehemaligen Schlosstors oder „Lobbekestoren“. Dabei handelt es sich um eine Stahlplatte, aus der die Silhouette des Turms ausgeschnitten wurde. Dieser Ausschnitt wiederum findet sich im Pflaster wieder. Voermans ist stolz darauf: „Echte Facharbeit. Eigentlich ist es ein sehr großes Puzzle.“ Entlang der Streifen am Tor ist ein historischer Text zu lesen. Rund um das Tor wurden einige Sitzgelegenheiten aufgestellt. Im Mai, wenn der „Kasteeltuin“ offiziell eröffnet wird, werden Banner mit Abbildungen des historischen Zevenbergen auf Hartholzpfählen, abends durch Bodenspots angestrahlt, das Ganze vervollständigen.

Gelände ohne Gullys

Eine hochwertige Ausführung also, auch hinsichtlich des Pflasters. Die Streifen wurden in luxuriösem dunklem Anthrazit ausgeführt, die Zugangswege zwischen den angrenzenden rückwärtigen Gärten und dem Gelände bestehen aus 50 x 50 Rasengittersteinen, die an Kopfsteinpflaster erinnern. „Nicht die preiswerteste Variante“, gibt Voermans zu. „Aber das wollten wir ganz bewusst nicht. Es sollte etwas ausstrahlen. Die Drainflow-Pflasterklinker boten uns die Möglichkeit, eine Fläche zu schaffen, die ohne Gullys auskommt“, so Voermans. „Dadurch liegt das Pflaster äußerst ebenmäßig. Der Hohlraum in den Fahrbahnen beträgt nur drei Zentimeter, außerdem gibt es keine Rinnen oder Vertiefungen zu Öffnungen oder Gullys.“

Zwischen den Drainflow-Pflasterklinkern wurden wasserdurchlässige Filzstreifen, die Entwässerungsfuge von Drainvast, angebracht. Die aus recyceltem Material hergestellten teppichartigen Streifen sorgen dafür, dass das Regenwasser in den Untergrund abfließen kann, da die Filzstreifen im Gegensatz zu herkömmlichem Fugensplitt keinen wasserdichten Abschluss bilden. Neben der speziellen Pflasterung rund um die Nachbildung des Schlosstors war dies die einzige Handarbeit bei der Befestigung. Die Filzstreifen wurden einzeln von erwerbslosen Arbeitskräften angebracht. „So konnten wir auch eine soziale Komponente in das Projekt einfließen lassen“, erläutert Voermans.

Nachhaltigkeit lautet das Credo beim „Kasteeltuin“. Das Pflaster (5.000 m2) ist, wie gesagt, wasserdurchlässig und das Wasser wird drei Schichten tiefer in drei verschiedenen Bereichen in einer Schicht aus Moränensplitt, unter der sich eine Schicht aus grobem Mischgranulat befindet, aufgefangen. Über ein Regelventil kann das überschüssige Wasser im Falle eines extremen Platzregens über einen engen Kanal zu einem „Wadi“ vor dem Gemeindehaus abgeleitet werden. „Wir befinden uns hier unmittelbar am Rand eines Lehmbodens, aber so können wir doch dafür sorgen, dass das Wasser ohne Entwässerung beseitigt wird. Wir fangen es komplett lokal auf“, erläutert Voermans. Auch die neue LED-Beleuchtung trägt zum nachhaltigen Charakter bei. Sie wird übrigens abends gedimmt, um Energie zu sparen und die Lichtverschmutzung zu begrenzen. Um auch den nachhaltigen Verkehr fördern zu können, wurden Ladesäulen für Elektroautos vorgesehen. Das Parken ist, wie bisher, kostenlos.

Der „Kasteeltuin“ ist so gut wie fertig; für den Rest des Zentrums wird sich dies nun wirklich bemerkbar machen. Diesen Sommer soll bekannt gegeben werden, welcher Bauunternehmer sich mit dem Hafen befassen wird. Davor finden noch eine Untersuchung auf Kampfmittel sowie eine Überprüfung der Kanalisation statt, außerdem eine Kontrolle der übrigen Versorgungsleitungen. Am 1. Januar 2019 soll wieder Wasser durch die Gracht strömen; im darauf folgenden Herbst soll auch das umliegende Pflaster fertig und der komplette Plan realisiert sein. Und der ehemalige Imbiss, wo Voermans derzeit seinen Arbeitsplatz hat? Der wird dann auch verschwunden sein. „In ein paar Jahren werden Sie Zevenbergen nicht mehr wiedererkennen.“

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