Vandersanden

Englischer Blickfang in den Niederlanden

Im Süden von Hoofddorp wähnt man sich einen Augenblick lang in England. Hier findet man ein Neubauprojekt mit 1.200 Häusern mit besonderem Aussehen. Das Projekt wurde nämlich im charakteristischen englischen Tudor-Stil entworfen. Martine van Vliet ist Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin. Seit 2011 arbeitet sie am Tudorpark, dessen erster Bauabschnitt inzwischen fertiggestellt ist. Contour sprach mit Van Vliet über diesen besonderen Ort und fragte nach den Entscheidungen, die das Planungsteam traf.

"Stadtarchitekt Fred Kaay wollte für dieses Projekt etwas anderes. Etwas Englisches, romantisch und mit fließenden Linien."

Fließende Linien

Oft setzen Stadtplaner und Architekten auf gerade Linien, wenn sie sogenannte „Polderviertel“ entwerfen. Martine van Vliet berichtet, wie die Entscheidung für den Tudor-Stil zustande kam: „Stadtarchitekt Fred Kaay wollte für dieses Projekt etwas anderes. Etwas Englisches, romantisch und mit fließenden Linien. In Abstimmung mit der Kommune entschied man sich für den Tudor-Stil. Anschließend war Recherche angesagt. Im Normalfall macht man das selbstständig. Aber für den Tudorpark unternahm ich gemeinsam mit den Architekten der beteiligten Büros auch eine Exkursion nach England.“

Großzügiges Konzept im Außenbereich

Heute sind Forschungsreisen ins Ausland nicht mehr so üblich. Van Vliet ist aber der Meinung, dass sie sehr wertvoll sind. Vor allem in diesem Fall, wo der Stil so ausgeprägt ist. „In England fanden wir unglaublich viele schöne Viertel, Landgüter und Gartendörfer, die uns umfassend inspirierten, auch in Hoofddorp eine warme, englische Atmosphäre zu schaffen. Nicht nur der Baustil der Häuser ist dabei wichtig. Auch der Außenbereich spielt eine große Rolle. Wir verwenden beispielsweise nicht nur Pflastersteine, sondern auch Natursteinplatten. Etwas, das man normalerweise bei einem Neubauprojekt nicht ohne Weiteres tut. Wir haben alle möglichen kleinen Plätze und Grünflächen geschaffen. Auch in der Bepflanzung führten wir das Thema weiter, um für Erkennbarkeit zu sorgen. Das großzügige Konzept mit viel Grün und Wasser passt gut zum Tudor-Stil. Und das Holzfachwerk und die Steinbrücken sind ein echter Blickfang.“

Einheit à la Berlage

Als feste Ausgangspunkte formulierten wir vorab neun Regeln, an die wir uns als Gestalter alle halten mussten. In diversen Workshops entwickelten wir die verschiedenen Haustypen, sahen uns an, wo wir Akzente setzen wollten und welche besonderen Stellen wir wiederkehren lassen wollten. Es ist fantastisch zu sehen, wie sich jeder innerhalb der selbst auferlegten Beschränkung maximalen kreativen Raum schafft. Und das Festhalten an diesen Regeln lohnt sich, der Stil wurde konsequent beibehalten. Es ist wirklich ein Ganzes geworden. Gegenwärtig sieht man, dass Neubauviertel oft sehr uneinheitlich gestaltet sind, im Gegensatz beispielsweise zu Projekten aus früheren Zeiten, etwa nach den alten Plänen von Berlage, mit einheitlicher Ausstrahlung. Dank der Einheit, die wir geschaffen haben, fällt der Tudorpark wirklich aus dem Rahmen.“

Nuancen beim Materialeinsatz

Die Auswahl der Pflastersteine ist wesentlich, berichtet Van Vliet. „Die Straßen bilden die Hauptstruktur des Viertels. Was ich selbst sehr schön finde, ist, dass man das Straßenende nicht sehen kann, da wir mit einer bestimmten Krümmung gearbeitet haben. Das schafft einen räumlichen Effekt und wirkt, als gehe die Straße weiter. Das Pflaster wurde überall mit dem gleichen Pflasterstein in einem einheitlichen Muster verlegt. Auch das sorgt für Einheit. Einfahrten können mit den gleichen Klinkern gepflastert werden, sodass die Steine sehr schön weiterlaufen. In den einzelnen Teilen des Viertels haben wir durch den Materialeinsatz für kleine Nuancen gesorgt. So haben wir für die erste Insel einen gelben Pflasterstein in Kombination mit einem roten Ziegel verwendet. Dadurch strahlen die Straßen die Wärme aus, die zum Tudor-Stil passt.“

Die Tudors und ihr Baustil

Während der Regierungszeit des englischen Fürstenhauses Tudor von 1486 bis 1603 entstand der gleichnamige Baustil. Der Stil ist geprägt durch die vielen Ornamente im Mauerwerk, wie Bögen, Treppengiebel und Zinnen. Charakteristisch sind die steilen Dächer mit flachen Schindeln, Sprossenfenster und auffällige Schornsteine mit charakteristischen „Chimney Pots“ (Kaminaufsätze aus Keramik).

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