Vandersanden

“Die Stadt ist ein Flickenteppich aus Plätzen mit einem eigenen Charakter.”

Architekten Merijn de Jong und Jeroen Atteveld

Architecten - Heren 5

​​​​​​​Die Architekten von „Heren 5“ aus Amsterdam betrachten sich nicht als  klassische Regisseure im Gestaltungsprozess der bebauten Umgebung. Sie verwenden gern die Metapher eines Vogelschwarms, der sich rasend schnell im Zickzack, augenscheinlich ungesteuert, fortbewegt und perfekt den Weg findet. In diesem Schwarm spielen sie am liebsten die Rolle des „unsichtbaren Dirigenten“.

Die Zeit ist reif

„Die Zukunft gibt es jeden Tag“, sagt De Jong. „Wir planen und bauen, um Menschen ein angenehmes und nachhaltiges Umfeld zu geben.“ Atteveld: „Die Menschen schauen sich die Lebensqualität in ihrem Viertel an. Ein Planer muss sich in die Bewohner hineinversetzen können und gemeinsam mit ihnen zu träumen wagen, wie ihre Wohnumgebung aussehen sollte. Danach müssen wir - der Bausektor - dafür sorgen, dass diese Träume in konkrete Projekte umgesetzt werden.“

Der Zeitpunkt ist günstig, sagt De Jong: „Die Bereitschaft, neue Ideen und Visionen im Bereich Städtebau und Architektur umzusetzen, ist groß. Während des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg lautete das Credo: Licht, Luft und Raum. Jetzt könnte dieses Credo lauten: auf Menschen zugeschnittene Bedürfnisse und grüne Lebensqualität.“

Schrittweise Verdichtung

„Heren 5 architecten“ befindet sich im Hafengebiet von Amsterdam Noord, dem Ort, wo die industrielle Produktion selbstverständlich ist und wo man gleichzeitig sehen kann, wie sich ein neues Stück Stadt entwickelt. „Was hier in Noord geschieht“, sagt Atteveld, „zeigt deutlich, wie man  die bebaute Umgebung qualitätsvoll gestalten kann. Weil der Druck auf die Stadt groß ist, sieht man überall, wie neue Teilzentren mit eigenen Merkmalen und Qualitäten entstehen. Deshalb glaube ich, dass Verdichtung die Zukunft ist. Eine Stadt wie Amsterdam kann sich in Bezug auf die Einwohnerzahl verdoppeln und hinsichtlich der Qualität dennoch zunehmen, auch im öffentlichen Raum.“ De Jong: „Das Wachstum erfolgt jetzt auch organischer. So kommen nicht auf einmal Tausende Wohnungen hinzu, sondern schrittweise, sodass man Ideen auf kleinem Raum testen kann. Die Stadt ist ein Flickenteppich aus Plätzen mit einem eigenen Charakter. Dort muss man mit neuen Entwicklungen Schritt halten.“

Komfortzone

Nach Ansicht der beiden Architekten stehen uns deshalb große Änderungen in der Umgebung bevor. Dennoch gibt es auch andere Meinungen: Die Menschen sind konservativ und möchten nichts lieber als ein Reihenhaus mit Garten. Atteveld: „Diese Argumentation basiert darauf, dass im Produktionsprozess maximale Effizienz erreicht wurde. Aber das ist etwas anderes, als sich in die Lage der Benutzer zu versetzen und über neue Wohnkonzepte nachzudenken. Niemand hat mich nach dem iPhone gefragt, Steve Jobs war jedoch so visionär, ein Produkt auf den Markt zu bringen, das alle jetzt unentbehrlich finden. Im Wohnungsbaubereich muss man die Komfortzone verlassen und sich von dem lösen, was man bereits hat.“

Mensch-Geschichte-Zukunft

Kooperation, um die bebaute Umgebung und öffentliche Räume qualitätsvoller zu gestalten - das ist die DNA von Heren 5. De Jong: „Kollektivität ist ein Schlüsselbegriff für uns. Deshalb der Vergleich mit dem Vogelschwarm. Das ist eine Art von selbststeuerndem Mechanismus: Wenn der „Team-Flow“ da ist, wenn jeder an das Ziel glaubt, kann man Berge versetzen. Das geht nicht von selbst, deshalb braucht man eine gute Geschichte, eine starke Idee. Eine Geschichte, die man miteinander teilt und die bei der Verwirklichung des Projekts gültig und glaubwürdig wird. Diese drei Aspekte sind das Wesen unserer Vision in Bezug auf Städtebau und Architektur: Mensch, Geschichte und Zukunft.“

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